Digitalisierung im Handwerk

Keine Angst vor der Cloud

14. März 2018, 9:23 Uhr | Cornelia Meier
Der Elektro- und Sanitärinstallations-Spezialist Wirth setzt bereits seit einiger Zeit auf eine Cloud-Lösung.
Der Elektro- und Sanitärinstallations-Spezialist Wirth setzt bereits seit einiger Zeit auf eine Cloud-Lösung.
© Wirth Gruppe

Für viele deutsche Handwerksbetriebe stellt die Digitalisierung eine enorme Herausforderung dar. Wie sie die Digitalisierung voranbringen, erläutern Frank Michel, Head of Technical Service bei der pds GmbH und Stephan Teinert, Head of Cloud Sales bei der Wortmann AG.

Laut einer aktuellen Studie des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) und des Digitalverbands Bitkom stellt die Digitalisierung für 56 Prozent der Handwerksbetriebe eine große Herausforderung dar. Vor allem die mit dem Digitalisierungsprozess verbundenen Investitionskosten halten viele Betriebe davon ab, den digitalen Wandel zu forcieren.

»Dank der heutigen Cloud-Infrastrukturen, die fixe monatliche IT-Kosten pro Benutzer bieten, schieben Unternehmen diese Entscheidung heute nicht mehr so lange auf, bis der Server oder andere Komponenten das Zeitliche segnen«, sagt Frank Michel, Head of Technical Service bei pds. »Darin sind bereits alle Leistungen für den Serverbetrieb wie die Strom- und Internetversorgung, Betriebssystemlizenzen und Wartung enthalten – inklusive gemeinsam genutzter Infrastrukturen. Aufgrund des geringen Verwaltungsaufwandes und der planbaren Kosten stellen moderne Cloud-Lösungen nicht nur betriebswirtschaftlich attraktive Alternativen dar, sondern sind vielfach der erste Schritt, manuelle oder analoge Prozessstrukturen in der Auftragsabwicklung zu digitalisieren und zu automatisieren.«

 

Und was ist mit dem Datenschutz?

77 Prozent der befragten Unternehmen scheuen den Weg in die Cloud vor allem aufgrund von Sicherheits- und Datenschutzbedenken. Tatsächlich aber erfüllen »Clouds« beziehungsweise die hostenden Rechenzentren in aller Regel deutlich höhere Sicherheitsstandards, als es in den meisten Betrieben möglich und wirtschaftlich ist. So erfolgt der Zugang zu den Servern in der »pds Cloud« etwa über eine eigene Firewall, die für die Verschlüsselung der Verbindung sorgt.

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Porträtfoto: Stephan Teinert, Head of Cloud Sales, Wortmann AG.
Stephan Teinert ist Head of Cloud Sales beim Infrastruktur-Dienstleister Wortmann AG.
© Wortmann AG

Je nach Sicherheitsbedürfnis können zudem verschiedene Sicherheitsoptionen bis hin zur Einrichtung eines sogenannten Virtual Private Networks (VPN) gewählt werden. Die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen gewährleisten spezielle Verträge zur Auftragsdatenverarbeitung und das gründliche Auditing der technischen und organisatorischen Maßnahmen durch externe Datenschutzbeauftragte.

»Hier sind Cloud-Lösungen durch die zentrale Verwaltung im Vorteil gegenüber lokal verteilten Systemen – nicht nur im Hinblick auf die IT-Kosten«, sagt Stephan Teinert, Head of Cloud Sales bei Wortmann. »Da die Leistung vollständig am individuellen Bedarf ausgerichtet und jederzeit skalierbar bleibt, reduzieren sich die Kosten für die Bereitstellung der IT-Infrastrukturen auf ein Minimum. Die Lösung wächst mit dem Unternehmen und seinen Anforderungen und kann schnell an Veränderungen angepasst werden, zum Beispiel bei der Anbindung von Drittsystemen oder der Anpassung von Workflows und Berichtssystemen. Die Umstellung auf Cloud Computing bedeutet daher für das Unternehmen vor allem, dass es sich auf die Qualität seiner Kernprozesse konzentrieren kann – woran gerade im Handwerk die Güte der Dienstleistung bemessen wird.«

 

Digitalisierung als Chance

Laut der Studie von Bitkom und ZDH sehen 69 Prozent der 504 befragten Handwerksbetriebe die Digitalisierung als Chance für ihr eigenes Unternehmen. Jedoch haben mehr als die Hälfte aller deutschen Mittelständler bislang noch keine zentrale Digitalisierungsstrategie und riskieren damit, den Anschluss an die Marktentwicklung zu verpassen.

»Der Server in der Cloud ist für mittelständische Handwerksbetriebe der ideale Weg, um Berührungsängste der Mitarbeiter gegenüber digitalen Technologien abzubauen. Wir beobachten immer wieder, dass sich daraus eine gewisse Eigendynamik entwickelt, die technischen Möglichkeiten auch in anderen Bereichen wie dem Service, bei der vorausschauenden Wartung oder auch bei der mobilen Zeiterfassung auszuschöpfen. Denn die Plattform bietet Unternehmen und Mitarbeitern gleichermaßen die Möglichkeit, neue Produkte und deren Mehrwert ohne große Initialkosten im Tagesgeschäft auszuprobieren«, erklärt Frank Michel. »Die zentrale Frage dabei ist zunächst, inwieweit sich die aktuellen Prozesse innerhalb einer Cloud-Computing-Lösung „ohne Verbiegen“ abbilden lassen.

Unternehmen wie die pds GmbH haben hier den Vorteil, dass sie bereits die wichtigsten Prozesse in ihrem bestehenden Standard abbilden können. Aufbauend auf der Zieldefinition lässt sich der Weg mit kleinen Meilensteinen pflastern, die gemeinsam und abteilungsübergreifend mit allen Mitarbeitern nacheinander realisiert werden«, ergänzt Stephan Teinert.

 

Porträtfoto: Frank Michel, Head of Technical Service, pds GmbH
Frank Michel ist Head of Technical Service der pds GmbH.
© pds GmbH

Angebotswesen und Objektverwaltung verbessert

Die pds GmbH, die schon 2013 damit begonnen hat, ihre Anwendungslandschaft für die Cloud zu öffnen, hat mit der Wortmann AG als Betreiber der »Terra Cloud« einen Partner an der Seite, der die individuellen Anforderungen einer ERP-Anwendung berücksichtigt und in allen Bereichen von der Skalierung der Server bis zu umfassenden Back-up-Konzepten praxisgerechte und bezahlbare Lösungen für das mittelständische Handwerk anbietet. Heute betreiben pds und Wortmann bereits für rund 320 Handwerksbetriebe Server in der Cloud.

Die Nutzermeinung der Wirth-Gruppe dazu: »Mit der Umstellung auf eine neue Software-Generation wollen wir den organisatorischen Wandel von den Strukturen eines Kleinbetriebes zu einem flexiblen und wachstumsfähigen, mittelständischen Betrieb mit 120 Mitarbeitern unterstützen. Gleichzeitig sollten unsere Mitarbeiter unabhängig von ihrem Einsatzbereich oder ihrem Einsatzort ein Tool bekommen, das den Zugriff auf benötigte Informationen vereinfacht, die Auftragsabwicklung erleichtert und einen durchgängigen Arbeitsablauf zwischen allen Prozess- und Projektbeteiligten gewährleistet«, erläutert Johannes Wirth, der die niederbayrische Wirth-Gruppe, ein Spezialist für Elektro- und Sanitärinstallationen, seit sechs Jahren in zweiter Generation führt.

Vor allem im Angebotswesen und der Objektverwaltung hat die Systemumstellung große Verbesserungen mit sich gebracht. Während sich die Mitarbeiter von Wirth etwa bei der Wartung von Bestandsobjekten früher mit separaten Excel-Listen behelfen mussten, steht ihnen heute eine smarte, mandantenübergreifende Objektverwaltung zur Verfügung, in der sämtliche Wartungsverträge, anstehende Kundendienst-Services oder gar Materialvorschläge für den nächsten Einsatz gebündelt hinterlegt sind. Damit erhalten die Mitarbeiter einen 360°-Überblick über das gesamte Portfolio, was die Ressourcen- und Materialbedarfsplanung vereinfacht.

Nach Unterlagen der pds GmbH

(Light + Building, Halle 9.0, Stand E11)


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