Neues Bundesdatenschutzgesetz

Datenschutz rund ums Smart Building

19. April 2018, 13:02 Uhr | Günter Martin, TÜV Rheinland
Der Umgang mit smarter Technik erfordert neues Fachwissen.
Der Umgang mit smarter Technik erfordert neues Fachwissen.
© Oliver Tjaden

Im Smart Building steht Datenschutz an oberster Stelle. Günter Martin von TÜV Rheinland erklärt, worauf es beim neuen Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ankommt, das im Mai 2018 in Kraft tritt.

Die Elektrobranche stattet Smart Buildings mit zahlreichen neuen Produkten und Lösungen aus, die Energie sparen sowie die Sicherheit und den Komfort für Bewohner und Nutzer verbessern. In Industrie- oder Bürogebäuden zählen dazu unter anderem Sensoren, die Daten über den Energie- und Wasserverbrauch messen, Temperatur und Lichteinfall erfassen sowie Klima und Luftfeuchtigkeit registrieren oder im Brandfall Alarm schlagen. Dabei geht es in aller Regel nicht um personenbezogene Daten. Der Datenschutz hat hierbei nur geringe Relevanz. Ganz anders sieht es bei Zugangskontrollsystemen, smarten Aufzugssteuerungen oder bei der Erfassung von Bewegungsdaten aus.

Zugangskontrolle bedeutet: Es darf nur derjenige hinein, der die Berechtigung hat. Gleiches gilt für den, der hinaus möchte, also für die Auslasskontrolle. Die gibt es zum Beispiel in Kaufhäusern: Es darf nur hinaus, wer seine Ware bezahlt hat. Besonders exzessiv ist die Auslasskontrolle bei Sondergebäuden wie Justizvollzugsanstalten. Die Zugangskontrolle wird zunehmend »smartifiziert«, heute noch über Ausweislesegeräte mit berührungsloser Abtastung dank RFID. Künftig erfolgt dies mit Kameras. Dabei entstehen Daten, die datenschutzrelevant sind. Ihre Erfassung ist zustimmungspflichtig.

Bei Aufzügen hat die Cloud schon längst Einzug gehalten. Neuere Modelle übertragen ihre Daten ins Internet und können so auch aus der Ferne gewartet werden. Hier gibt es ein Risiko, das heute noch unterschätzt wird. TÜV Rheinland hat im Juni 2017 als einer der Ersten eine Sicherheitswarnung für den WannaCry-Virus herausgeben, der Hunderttausende von Computern infiziert hat. Mit ähnlichen Viren könnten auch Aufzugssteuerungen manipuliert werden. Das würde einen Nothalt der Aufzüge auslösen und erst nach Zahlung eines Lösegelds die Fahrt fortsetzen lassen. Eine vergleichbare Erpressung hat ein Hotel in Österreich schon mehrfach erlebt. Betroffen waren dort allerdings die Türschlösser.

Mit den Aufzügen beginnt auch die Erfassung von Bewegungsdaten, die sich in den Etagen fortsetzt. Hier kommen die erwähnten Kameras zum Einsatz. Heute gibt es bereits Techniken, mit denen sich eine Person gut identifizieren lässt. Auf der einen Seite kann das sinnvoll sein – beispielsweise für eine komfortable Zutrittskontrolle oder im Brandfall für Rettungsdienste. Auf der anderen Seite kann die Technik aber auch missbraucht werden: Wer hält sich wann wo auf und spricht mit wem worüber? Dass diese Verwendung illegal ist, versteht sich von selbst.

Die meisten Kameras finden sich heute im sogenannten »Sonderbau« – etwa bei Flughäfen, Konzerthallen oder Fußballstadien. Sie dienen dort der Sicherheit. Die Entwicklung geht dabei hin zur »Predictive Security«, also dem Erkennen von Gefahrensituationen, bevor sie eingetreten sind. Über die Kameras wird das Verhalten von Personen analysiert. Die intelligente Auswertung ermöglicht es Computerprogrammen, die Emotionen und damit auch ein mögliches Aggressionspotenzial der Menschen im Gebäude zu erkennen. Eskalationen kann so frühzeitig vorgebeugt werden. Wie weit die Erkennung von Emotionen bereits vorangeschritten ist, zeigt folgender Textauszug:
 »Neueste Entwicklungen auf Basis von ZigBee-Modulen sind in der Lage, menschliche Emotionen mit einer Genauigkeit von 86,25 % zu erkennen. Die dabei aufgezeichneten Daten stammen aus Gesichtsausdrücken, Sprachmustern, Körpergesten und physiologischen Informationen, wie Herzschlagrate oder Körpertemperatur. Diese Sensoren sind fähig, zwischen den sechs Basis-Emotionen Glück, Traurigkeit, Angst, Überraschung, Wut und Ekel zu unterscheiden.« (Quelle: 2b AHEAD Think Tank: Smart Building 2030: Geschäftsmodelle in der Sicherheitstechnik der Zukunft)

Dass sich neue, smarte Lösungen auch ohne personenbezogene Daten realisieren lassen, zeigen verbesserte Wärmesensoren oder intelligente Fußböden zur Anwesenheitserkennung.

 

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