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Zeitreise 1981

100 Jahre Fernsprechverkehr

13. Februar 2019, 13:15 Uhr   |  Cornelia Meier

100 Jahre Fernsprechverkehr
© WEKA FACHMEDIEN GmbH

Siemens, das »Fräulein vom Amt« und ein Leichenbestatter: Die Geschichte des Fernsprechverkehrs ist aufregender als gedacht. Am 1. April 1981 feierte er seinen 100. Geburtstag – und die Redaktion der elektrobörse berichtete. 

Sämtliche Mädchen im heiratsfähigen Alter wären heute damit beschäftigt, die in einer Großstadt täglich anfallenden Telefongespräche mit der Hand zu vermitteln. Vor 100 Jahren wurden erstmals Menschen auf diese Weise miteinander verbunden. Damals, am 1. April 1881, begann der öffentliche Fernsprechverkehr in Deutschland. Ganze 48 Anschlüsse umfasst die erste Vermittlungsstelle, die Siemens in der Berliner Französischen Straße 33c eingerichtet hatte. Es waren überwiegend Banken und große Geschäftshäuser, die sich zu der von Generalpostmeister Heinrich von Stephan eingeführten Neuheit bewegen ließen.

Die anfängliche Skepsis wich rasch der Erkenntnis, daß mit dem Fernsprecher ein neues Zeitalter der Verständigung angebrochen war. Schon Ende 1881 zählte Berlin 458 Teilnehmer, darunter Hofkonditor Kranzler, der begeistert eine »Umsatzverdoppelung durch das Telefon« konstatierte, obwohl das Gespräch 50 Pfennig kostete – wofür man damals immerhin fast einen halben Zentner Kohlen bekommen hätte. 1884 waren in Berlin bereits 2000 Apparate angeschlossen (...). Ein erstaunlicher Siegeszug, wenn man bedenkt, daß die inzwischen erhobene jährliche Pauschalgebühr den Teilnehmer 150 Gold Mark kostete – mehr als der dreifache Monatsverdienst eines Arbeiters.

Das erste deutsche Fernsprechamt in Berlin.
© Siemens AG

Das erste deutsche Fernsprechamt in Berlin (mit Handvermittlung) wurde 1881 von Siemens & Halske eingerichtet.

Bis zur Jahrhundertwende vermittelten Beamte die Gespräche; sie erkannten an einer fallenden Metallklappe, welcher Teilnehmer verbunden werden wollte. Den Beamten folgte das »Fräulein vom Amt«. Ebenfalls um die Jahrhundertwende wurden die Klappenschränke der Handamtstechnik allmählich durch Springzeichen und Glühlampenschränke ersetzt. Doch bald schon trug man sich mit dem Gedanken, die Verbindung ohne Mitwirkung einer Vermittlungsperson herzustellen. Der amerikanische Leichenbestatter Almon B. Strowger war hier als erster erfolgreich. Als er sich in den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts darüber ärgerte, daß eine Dame vom Fernsprechamt seinen Kunden mit der Konkurrenz verband, erfand er den nach ihm benannten Wähler.

Aus diesem Strowger-Wähler wiederum entwickelte sich der heute größte Automat der Welt mit annähernd 500 Millionen Teilnehmern, die sich weitgehend durch Selbstwahl gegenseitig erreichen konnten. (...)

elektrobörse, April 1981

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